Interview #1 Peter

11. Juli 2019 0 Von SteMa
Bei Twitter erhalte ich immer wieder Einblicke in andere Karrieren und es findet ein sehr interessanter Austausch mit Menschen statt, die die berufliche Neuorientierung schildern, wagen und auch berichten, was gut läuft und was nicht. 
Durch das Netzwerk ergab sich u.a. der Kontakt mit Peter, der die letzten 3,5 Jahre eine berufliche Entwicklung erlebt hat, die natürlich mit Höhen und Tiefen verbunden war, ihm aber seinem beruflichen Ziel nahe brachte – nämlich den Wechsel vom Projektmanagement zur Personalentwicklung. Er  erklärte sich bereit, über seine Erfahrungen ein Interview für Quit & Jump zu geben. 
Ich freue mich sehr, euch dieses heute zu veröffentlichen:

1. Hallo Peter, warum bist du ein Jumper? 
„Hallo Steffi, wahrscheinlich, weil ich Veränderung als etwas positives sehe und mich in gewissen Grenzen damit wohlfühle. Aber auch, weil ich vor 4 Jahren einen „Sprung“ gewagt habe, der zwar notwendig, aber nicht ohne Risiko war und nichts ist, was ich so ohne weiteres tun würde. Auch heute nicht.
Ich fand es sehr spannend, über dein Projekt quitandjump zu lesen und finde, dass ist ein sehr, sehr wichtiges Thema ist, zu dem ich gern auch etwas beitragen möchte. Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ich nicht vor 4 Jahren genau das getan hätte.“
 
2. Warum wolltest du dich beruflich neu orientieren?
„Ich war damals mein erstes Jahr im allerersten Job nach dem Studium. Rational betrachtet hatte ich einen ziemlich harmonischen Einstieg: Praktikum, Werkstudent, Masterarbeit und Einstieg als Projektmanager in ein- und demselben Unternehmen. Ich musste mich nach dem Studium nicht bewerben, kannte das Unternehmen, hatte tolle Kolleginnen und Kollegen in einem jungen Unternehmen. Hinzu kam, dass ich Studiengänge absolvierte (Sozialwissenschaften, Medienwissenschaft), die damals nicht unbedingt für einen sorgenfreien Berufseinstieg standen.
 
Nach einem Jahr fühlte es sich in mir so gar nicht mehr harmonisch an. Ich fühlte mich absolut nicht richtig in meiner Rolle als Projektmanager, fühlte mich überfordert und das Unternehmen befand sich in einem Wandlungsprozess, mit dessen Symptomen ich immer wieder schmerzhaft konfrontiert war. Das wirkte sich auch auf mein Selbstbewusstsein, auf meine Fähigkeiten und letzendlich auch auf meine psychische Gesundheit aus. Alle drei Dinge nahmen ab. Das kannte ich bis dato so nicht.
 
Irgendwann stand für mich fest, dass ich aus der Rolle raus muss und schrieb eine ausführliche Mail an die Geschäftsführung, dass ich meinen Vertrag als Projektmanager nicht verlängern werde und ich erläuterte, was ich warum und stattdessen tun will. Das wiederum habe ich direkt mit den Verbesserungspotentialen verknüpft, die ich wahrnahm. Es fielen Worte wie: Mitarbeiterbindung, Weiterbildung, Employer Branding, Konzept zur Ideenentwicklung uvm. Worte, die mir heute wichtiger sind denn je.
 
Leider wurde daraus damals nichts, da es keinen Platz für eine nicht direkt wertschöpfende Rolle gab. Mit anderen Worten: Es wäre eine Rolle gewesen, die (vermeintlich) nicht unmittelbar zum Geschäftserfolg beiträgt. Und so sprang ich voller Tatendrang in die Arbeitslosigkeit. Das fühlte sich tatsächlich befreiend an.“
 
3. Wie haben deine Familie und Freunde reagiert?
„Ich hatte viel Unterstützung. Mein Schritt war für einige mutig und riskant, aber niemand zweifelte ernshaft an meinen Beweggründen oder gar der Entscheidung. Sie hatten gesehen, was die vorangegangene Zeit mit mir gemacht hatte und letzendlich wollten sie alle, dass es mir gut geht. Was kann ich mehr erwarten?“
 
4. Was war in der beruflichen Neuorientierung die größte Herausforderung?
„Potentielle Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass ich als Quereinsteiger im Personalbereich interessant für ein Unternehmen bin. Ich schrieb 25 Bewerbungen – vornehmlich auf HR Stellen in der Region – bei dreien kam es überhaupt zum Bewerbungsgespräche und letzendlich erhielt ich eine Zusage für einen Job als Projektmanager für Mitarbeiterbefragungen. Das war nicht exakt das, was ich damals im Kopf hatte, aber heute möchte ich das nicht missen.“
 
5. Wie ist der Wechsel gelungen und was machst du heute?
Spannenderweise ist der Wechsel erst heute, nach 3 1/2 Jahren,  real geworden. Witzigerweise genau so, wie ich ihn in meiner Mail an die Geschäftsleitung meines ersten Arbeitgebers schrieb. In der Zwischenzeit war ich Projektmanager und Kundenentwickler in einer Agentur für Personalmarketing und Employer Branding. Das war eine abwechlunsgs- und lehrreiche Zeit. Wenngleich ich auch damals wieder eine Entscheidung fällte, die mir erneut zeigte, dass ich auf meine Grenzen achten sollte.
 
Heute hat sich der Kreis meiner ersten kleinen beruflichen Reise geschlossen. Ich arbeite ab dem 01.09.2019 im Bereich People & Culture bei der Digitalagentur comspace. Dort beschäftige ich mich mit Themen wie Personal-, Team- und Organisationsentwicklung sowie Personalmarketing und Employer Branding. So schließt sich der Kreis und ich bin sehr glücklich darüber.
 
6. Welche/s war vom Sprung bis heute deine wertvollste Erfahrung / das wertvollste Learning in der Veränderung?
„Dass ein Sprung nicht unmittelbar zu dem führt, was man sich zum Zeitpunkt des Sprungs wünscht. Manchmal stehen zwei, drei oder mehr Schritte dazwischen, bis der Wunsch in Erfüllung geht oder sich gar völlig neue Wünsche ergeben. Der Sprung allein bringt nicht die Veränderung, aber er ist der Anfang und als solcher muss er auch immer gesehen werden.“
 
7. Was rätst du Jumpern, also anderen Menschen, die sich ebenfalls verändern möchten?
„Puh, ein Rat für alle Jumper ist nicht ganz einfach, weil die Gründe und Hintergründe so unterschiedlich sein können. Hier sind ein paar:
  • Was ich auf jeden Fall ohne Wenn und Aber sagen kann: Wenn dein Job Gesundheit, Wohlbefinden und Kraft in einem andauernden Maße bedroht, dann sehe ich keine andere Alternative, als zu springen. Da bin ich unbarmherzig und das sollte auch jeder Jumper sein.
  • Es gibt diverse (gute) Gründe, nicht zu springen. Um einen klaren Blick zu bekommen, ob es an der Zeit ist, sollte es immer wieder Momente geben, die genutzt werden, um in sich hineinzuhören. Das auch gern mit Hilfe, z.B. von PartnerInnen, FreundInnen oder (das mag ich sehr gern) über Coaching.
  • Jeder Sprung birgt ein Risiko, natürlich, aber das, was danach kommt und wer du selbst danach bist, ist so viel mehr, als das Risiko. Mit der Zeit wirst du ein besserer Springer. Du springst präziser, weißt, was du brauchst und musst am Ende vielleicht überhaupt nicht mehr springen.
    Sorry, das war vielleicht etwas zu philosophisch, aber ich hoffe dem konnte man folgen.
  • Konkret für die Arbeitslosigkeit kann ich raten, dass, neben dem ganzen Bewerben, auch immer Zeit sein sollte, Gleichgesinnte zu finden, lang gehegte (große und kleine) Wünsche zu erfüllen, neue Dinge zu lernen oder es sich einfach gutgehen zu lassen. Ich bin ohnehin für eine Entstigmatisierung von Arbeitslosigkeit. Das ist in meinen Augen eine wichtige Übergangsphase.“

Ich danke dir für deine Offenheit, Peter! 

Mit diesem Interview gibt er wichtige Impulse, die ich ebenfalls so erlebe und auch wertschätze. Zum Einen ist ein Einstieg als Quereinsteiger nicht so einfach wie man denkt. Hier spielen das Netzwerk, ein langer Atmen und auch die Auseinandersetzung mit sich und seinen Wünschen einen wesentliche Rolle.

Der Sprung in die „Ungewissheit“ ist leichter zu wagen, wenn man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann – so wie wir es monatlich bei Quit & Jump tun. 

Diese Einblicke sind für jeden, der sich verändern will, sehr wertvoll und zeigen: man ist weder allein noch sind Träume und Wünsche unmöglich – nur manchmal benötigt man eben die Extrameile.

Wenn ihr mehr über Peter wissen möchtet, schaut auf https://www.peter-schmidt.info/